Dauer: ca. 90 Minuten
Stufe: Guides und Späher (GuSp)
Ort: Im Freien oder auf einem geeigneten Gelände

Inhaltsverzeichnis

Ziel der Heimstunde

Die GuSp erleben unterschiedliche Herausforderungen und erkennen, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen und Fähigkeiten mitbringt. Sie lernen, dass eine Aufgabe für manche leicht, für andere schwierig und für manche kaum zu bewältigen sein kann.

Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für das Schritt-für-Schritt-System (SfS), bei dem die Kinder ihre persönlichen Herausforderungen selbst wählen und sich entsprechend ihrer Fähigkeiten weiterentwickeln.

Benötigtes Material

  • Punktematrix, Tafel oder Flipchart und Stifte

  • Gegenstände zum Sortieren und Merken

  • Stifte und Fehlersuchbilder

  • Wasserkanister

  • Jonglierbälle oder Keulen

  • Maßband

  • Aufgabenblatt mit einem englischen Satz

Ablauf

Einstieg – Die große Herausforderung (5–10 Minuten)

Die Leiter begrüßen die GuSp zu einer besonderen Gameshow. In den kommenden Stationen warten verschiedene Aufgaben, bei denen die Kinder ihr Können und ihre Selbsteinschätzung unter Beweis stellen.

Hauptteil – Der Stationenlauf (ca. 60 Minuten)

Die GuSp absolvieren zehn abwechslungsreiche Stationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Dabei gibt es Aufgaben, die leicht zu bewältigen sind, solche, die eine echte Herausforderung darstellen, und solche, die nicht für alle gleichermaßen machbar sind.

Die Aufgaben umfassen beispielsweise Geschicklichkeit, Gedächtnis, körperliche Fähigkeiten und Wissen. Die Ergebnisse werden in einer Punktematrix festgehalten.

Abschluss und Reflexion (ca. 20 Minuten)

Bei einer gemeinsamen Abschlussrunde reflektieren die GuSp ihre Erfahrungen. Sie besprechen, welche Aufgaben sie als fair oder unfair empfunden haben und bei welchen sie mit ihrer Leistung besonders zufrieden waren.

Dabei wird deutlich, dass nicht alle Kinder die gleichen Voraussetzungen haben und dass Erfolg nicht für alle dasselbe bedeutet. Die Erfahrungen werden anschließend mit dem Schritt-für-Schritt-System verknüpft: Jede soll persönliche Herausforderungen finden können, die zum eigenen Können passen.

Das Punktesystem

Die Punktematrix ist das zentrale Element der Heimstunde. Für jedes Kind wird bei jeder Station festgehalten, ob die Aufgabe bewältigt wurde und wie das Kind seine eigene Leistung einschätzt.

Ergebnis der Station

Diese Bewertung führen nur die Leiter.
Es wird unterschieden, ob ein Kind die Aufgabe geschafft, versucht oder gar nicht versucht hat.

  • ✓ Geschafft: Die Aufgabe wurde erfolgreich bewältigt.

  • ✗ + ✓ Nicht geschafft, aber versucht: Das Kind hat sich der Herausforderung gestellt, das Ziel aber nicht erreicht.

  • ✗ Nicht versucht: Das Kind hat die Aufgabe nicht ausprobiert.

Selbsteinschätzung

Zusätzlich bewertet jedes Kind, ob es seiner Meinung nach für die jeweilige Station eine Belohnung verdient hat. Dafür wird eine Skala von 1 bis 5 verwendet:

  • 1 – Ja, sehr verdient

  • 2 – Eher verdient

  • 3 – Teils, teils

  • 4 – Eher nicht verdient

  • 5 – Nein, gar nicht

Die Selbsteinschätzung wird gemeinsam mit dem Ergebnis in der Punktematrix eingetragen. Die Matrix sollte für alle gut sichtbar sein.

Wichtig: Die Selbsteinschätzung beeinflusst nicht die tatsächliche Belohnung. Jedes Kind erhält für jede erfolgreich bewältigte Station eine kleine Belohnung – unabhängig von der eigenen Bewertung.

Zweck des Punktesystems

Die Matrix soll sichtbar machen, dass Leistung, Anstrengung und persönliche Einschätzung nicht immer übereinstimmen. Manche Kinder schaffen eine Aufgabe mühelos, andere scheitern trotz großer Anstrengung. Wieder andere überschätzen oder unterschätzen ihre Fähigkeiten.

Diese Unterschiede bilden die Grundlage für die anschließende Reflexion und die Einführung des Schritt-für-Schritt-Systems.

Die zehn Stationen

Die Stationen sind so aufgebaut, dass die Kinder unterschiedliche Erfahrungen mit Herausforderungen machen. Neben einfachen und schwierigen Aufgaben gibt es Aufgaben, bei denen die persönlichen Voraussetzungen entscheidend sind.

Sprunghöhe einschätzen

Die Kinder schätzen zunächst, wie hoch sie aus dem Stand springen können. Anschließend wird ihre tatsächliche Sprunghöhe ermittelt.

Ziel: Die Kinder erleben, wie gut sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen können.

Wer erreicht die Höhe?

Die Kinder müssen beim Springen eine vorgegebene Höhe erreichen, um die Station zu schaffen. Die Höhe wird so gewählt, dass sie für einige Kinder erreichbar und für andere deutlich schwieriger oder nicht erreichbar ist.

Ziel: Die Kinder erkennen, dass körperliche Voraussetzungen unterschiedlich sind.

Stifte zählen

Die Kinder sollen eine größere Anzahl von Stiften zählen. Die Aufgabe ist bewusst einfach und wenig herausfordernd gestaltet. Trotzdem gibt es bei erfolgreicher Durchführung eine Belohnung.

Ziel: Die Kinder erleben eine Unterforderung und hinterfragen, ob eine Belohnung immer eine besondere Leistung voraussetzt.

Wasserkanister tragen

Die Kinder schätzen zuerst, welche Strecke sie mit einem gefüllten Wasserkanister zurücklegen können. Erst danach dürfen sie die Aufgabe ausprobieren.

Ziel: Die eigene Leistungsfähigkeit soll möglichst realistisch eingeschätzt werden. Wer seine geschätzte Strecke ungefähr erreicht, hat die Station geschafft.

Hinweis: Gewicht und Strecke müssen sicher und altersgerecht gewählt werden

Farben sortieren

Verschiedenfarbige Gegenstände müssen nach Farben sortiert werden. Die Aufgabe ist bewusst einfach gehalten und soll ohne größere Schwierigkeiten lösbar sein.

Ziel: Die Kinder erleben eine Unterforderung und hinterfragen, ob eine Belohnung immer eine besondere Leistung voraussetzt.

Gegenstände merken

Die Kinder schätzen, wie viele Gegenstände sie sich innerhalb von zwei Minuten merken können. Anschließend betrachten sie eine Sammlung von Gegenständen. Danach werden diese entfernt und die Kinder schreiben auf, an welche Gegenstände sie sich erinnern.

Ziel: Die Kinder vergleichen ihre eigene Einschätzung mit ihrer tatsächlichen Gedächtnisleistung.

Liegestütze

Die Kinder erhalten die Aufgabe, 100 Liegestütze zu machen. Die Vorgabe ist bewusst so hoch angesetzt, dass sie für die Kinder praktisch nicht zu bewältigen ist.

Ziel: Die Kinder erleben eine Überforderung und erkennen, dass manche Aufgaben unabhängig von der eigenen Anstrengung unrealistisch sein können.

Fehlersuchbild

Die Kinder bekommen ein einfaches Fehlersuchbild und sollen die Unterschiede zwischen zwei Bildern finden.

Ziel: Die Kinder erleben eine leicht lösbare Aufgabe, bei der sie ihre Fähigkeiten erfolgreich einsetzen können.

Jonglieren

Die Kinder sollen mit vier Bällen jonglieren und die Aufgabe 30 Sekunden lang durchhalten. Nur wer die vorgegebene Leistung erreicht, bekommt eine Belohnung.

Ziel: Die Kinder erleben eine anspruchsvolle Aufgabe, die je nach Vorerfahrung unterschiedlich schwierig ist. Falls einzelne Kinder diese Herausforderung bereits beherrschen, muss sie entsprechend angepasst werden.

Übersetzung

Die Kinder erhalten einen englischen Satz, den sie ins Deutsche übersetzen sollen. Der Satz wird so gewählt, dass ältere Kinder die Aufgabe voraussichtlich lösen können, während sie für jüngere Kinder schwieriger ist.

Ziel: Die Kinder erkennen, dass Alter, Wissen und bisherige Erfahrungen einen Einfluss darauf haben, welche Herausforderungen bewältigt werden können.

Abschluss und Reflexion

Nach dem Stationenlauf findet eine gemeinsame Reflexion statt. Die Kinder dürfen erzählen, welche Aufgaben sie als fair oder unfair empfunden haben und warum.

Anschließend markiert jedes Kind die drei Stationen, bei denen es mit der eigener Leistung besonders zufrieden war.

Die Ergebnisse bieten einen Einstieg in die Frage, warum dieselbe Aufgabe für verschiedene Menschen unterschiedlich schwierig sein kann. Daraus lässt sich das Schritt-für-Schritt-System ableiten: Jeder soll persönliche Herausforderungen wählen können, die zum eigenen Können passen und die eigene Weiterentwicklung ermöglichen.